Notice: Trying to access array offset on value of type null in /mnt/web116/b3/44/51048444/htdocs/petrablume/includes/global.php on line 180 Petra Blume · Autorin

Durch die Blume gesagt

Müde...

Schlechte Nachrichten, wohin man schaut... 24.08.2022

Müde...

Ich bin soooo müde. Ich gestehe es. Und nein, es liegt nicht an zu wenig Schlaf oder zu wenig Bewegung. Nein, ich bin müde von all den Nachrichten, die auf mich einprasseln, von dem vielen Hass und Neid, der von Menschen – meist in den sozialen Netzwerken – ausgeht und sich mittlerweile immer mehr in der Realität Bahn bricht.

Als Journalistin und von Natur aus neugieriger Mensch mag ich mich informieren, aber verzweifle zunehmend an den reißerischen Laufbändern und Überschriften, die einfach nur „Klicks“ generieren sollen. Oft ist der wirkliche Nachrichtenwert gleich „Wasser ist nass“ oder sogar irreführend. Da bin ich doch tatsächlich letztens wieder darauf reingefallen, auf einen Artikel zu klicken, wo ein Schauspieler betroffen und traurig ist wegen seiner Tochter. Oh, dachte ich, schlimm, wenn das Mädchen gestorben ist, aber in Wahrheit reist sie für drei Jahre nach Amerika. HAALLOOOOO? Was ist das für eine Meldung? Aber die Klickzahlen und somit die Werbeeinnahmen dürften sich wieder etwas gesteigert haben. Aber ihr wisst, was ich meine, oder?

Dazu kommen noch die schlimmen Nachrichten aus aller Welt. Krieg hier, Lügen da, Korruption hier, Vertuschung dort… Ein schlimmer Ex-Präsident, der geheime Dokumente hortet, diese nach eigener Bekundung als „freigegeben“ betrachtet hat, aber nun bemüht ist, dass diese nicht untersucht werden dürfen. Oder wie ich es für mich deute: „Ich weiß, dass ich im Unrecht bin und mich strafbar gemacht habe, aber ich werde mit all meiner Macht weiterhin Leute unter Druck setzen, die es mir nachweisen.“

Er ist ja nicht allein in der Weltgeschichte, was das angeht. Was sind das alles für Menschen, die durch ihre Art anderen suggerieren, dass alles rechtmäßig sei und damit zur Nachahmung direkt oder indirekt aufrufen.

Wo ist das Gemeinschaftsgefühl hin? Wie definiert man noch mal Solidarität oder Mitmenschlichkeit? Selbst ich ertappe mich dabei, dass ich im Ukraine-Krieg nicht mehr genau hinschaue oder hinhöre und 20.000 bis 30.000 Gefallene auf russischer Seite und bis zu 10.000 auf ukrainischer nur noch registriere, aber mich nicht mehr darüber aufrege. Dabei stehen dahinter Familien, deren Leben von einem auf den anderen Tag nicht mehr so ist, wie es mal war, und ein Ende ist nicht in Sicht. Andererseits habe ich Angst, dass wir zur „Normalität“ übergehen und das alles als „die sollen sich nun mal zusammensetzen und gut ist…“ abtun. Die Anzeichen sind da. Wir sorgen uns mehr darum, ob wir im Winter im Kalten sitzen, ob man oben ohne im Schwimmbad baden darf, ob die Koffer von den Flughäfen langsam mal zum Empfänger kommen, oder ob wir uns das Essengehen und den Theaterbesuch zukünftig noch leisten können. Wir sehen nur noch Negatives, ohne die Chancen zu sehen. Dabei sind es viele Chancen, die sich gerade auftun. Aber das schreibe ich noch mal in einem anderen Bericht.

Das Negative bestimmt mehr und mehr unseren Alltag, daher „blende“ ich aus. Ich schaue weniger Nachrichten, bin nicht mehr so aktiv auf Facebook und Co. unterwegs. Meinem Gehirn und meinem Wohlbefinden tut das gut. Und nein, ich verschließe nicht die Augen vor der Welt, aber ich lasse auch nicht mehr alles zu, was mich runterzieht und mir Energie raubt. Und so manches Mal ertappe ich mich dabei, dass ich denke, wenn es nun keine sozialen Netzwerke mehr gebe, keine Abhängigkeit von Klicks und Werbeeinnahmen, ob wir dann eine bessere Welt hätten oder vielleicht würden wir nur die Schlechtigkeiten nicht mehr so wahrnehmen. Und so frage ich mich, was manchmal besser wäre…

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