Durch die Blume gesagt

Preiserhöhung durch die Hintertür

Wie man trotz Umsatzsteuersenkung die Preise erhöhen kann?
Die Bahn macht es vor.

Preiserhöhung durch die Hintertür

Foto: Blume

Hmm, die Bundesregierung hatte beschlossen, mit Wirkung zum 1. Januar 2020, die Umsatzsteuer von 19 Prozent auf sieben Prozent zu senken. 
"Toll", freuten sich die Bürger, "dann müsste ein Bahnticket ja bald noch günstiger sein." 
Ja, aber....
Das mag für einige Relationen gelten, aber de facto kommt tatsächlich eine Preiserhöhung durch die Hintertür herein, denn Sparpreise gibt es tatsächlich, aber die Verbindungen werden bei diesen Preisen viel ungünstiger als vorher. So müssen Reisende entweder häufiger umsteigen als früher oder andere Fahrzeiten in Kauf nehmen, die nicht mehr an einem Tag zu schaffen sind. 

Beispiel: Hamburg - Freiburg inklusive Anfahrt und Weiterfahrt vom Startort bis zum Zielort.
Früher bezahlten zwei Personen mit 25-Bahn-Card 1. Klasse, zwischen 112 bis 120  Euro. Tatsächlich liegt man nun bei gleichen Bedingungen bei 130  Euro aufwärts.

Diese Fragen wurden der Bahn mit der Bitte um Stellungnahme gestellt:

  1. Wurde die Mehrwertsteuersenkung doch nicht an den Fahrgast weiter gegeben?
  2. Wieso wurden die zeitmäßig günstigen Züge preislich so angehoben? Dafür wurden die  Spätzüge gesenkt, sodass man gar nicht mehr am selben Tag ankommen kann. (das bezieht sich auf o.g. Relation, wird sicherlich auf anderen Relationen ähnlich sein).
  3. Also handelt es sich doch um versteckte Preiserhöhungen?


Diese Antwort kam von der Bahn:
"Sie bringen Kritik bezüglich der Bepreisung unserer Sparangebote an. Wir bedauern, wenn Sie verärgert sind.
 Zum Fahrplanwechsel im letzten Jahr wurden unsere Fahrpreise im Fernverkehr nicht angehoben. Mit unseren Angeboten steuern wir die Auslastung unserer Züge. Die Fahrpreise der Angebote variieren daher immer. Auf stärker ausgelasteten Zügen ist der Fahrpreis höher- auf weniger stark ausgelasteten Zügen niedriger. Wenn sich dies bei Ihren bisherigen Buchungen noch nicht gezeigt hat, waren die Züge nicht so frequentiert, dass Preisschwankungen entstanden sind.
 Die DB Fernverkehr AG hat die Preise der ICE- und IC/EC-Fahrkarten (z. B. Flexpreis, Sparpreis, Super Sparpreis, Streckenzeitkarten - ausgenommen IC Bus -) sowie weiterer beförderungsnaher Leistungen bezüglich der Mehrwertsteuersenkung zum 1. Januar 2020 um rund zehn Prozent reduziert.
 Die im Bundesrat beschlossene Absenkung der Mehrwertsteuer, haben wir somit umgesetzt.
 Natürlich können wir sehr gut verstehen, dass jede Kundengruppe gerne ein auf „sie“ speziell ausgerichtet Angebot zur Verfügung hätte. Die Deutsche Bahn AG muss ihre Preis- und Angebotsstruktur aber wie jedes andere Unternehmen auch, nach markt- und betriebswirtschaftlichen Grundsätzen gestalten und orientiert sich deshalb am Wirtschaftsergebnis.
 Daher müssen wir Sie um Verständnis bitten, dass wir nicht allen Kundenwünschen gerecht werden können."

Nun, mit dieser Antwort muss man leben, wenngleich sie sich hinter Marginalien versteckt. Es ist also durchaus möglich, trotz Preissenkungen mehr Geld zu machen. Ob es nun dazu führt, dass sich noch mehr Leute dem offentlichen Nah- und Fernverkehr der Bahn zuwenden, scheint jedoch unter diesen Umständen fraglich. 

 

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